FG 02 Melanopische Lichtwirkungen

Anfang dieses Jahrhunderts wurde auf der Netzhaut neben Stäbchen und Zapfen ein Photorezeptor neu identifiziert,der das Photopigment Melanopsin enthält. Melanopsin reagiert sensitiv auf Licht aus dem sichtbaren blauen Spektrum und projiziert zu verschiedenen Strukturen des Gehirns. Mittlerweile sind fünf Untergruppen der melanopsinhaltigen Rezeptoren identifiziert, die gesamthaft als intrinsisch photosensitive retinale Ganglienzellen (ipRGC) bezeichnet werden.

Die Erforschung der Projektionen und die Beeinflussung der Strukturen und Prozesse des Gehirns durch Melanopsin sind aber bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Derzeit bekannt sind Wirkungen innerhalb von Sekunden auf Strukturen des primären Kortex, über den die Information hell/ dunkel zu einer akuten Aktivierung und damit verbesserten Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns führt. Eine weitere Projektion führt zum Nucleus suprachiasmaticus, der »inneren Uhr«. Hierüber erfährt die innere Uhr die Tageszeit sowie die Länge des Tages. Diese Information wirkt innerhalb von Tagen. Das System an inneren Uhren des Körpers koordiniert bzw. moduliert sämtliche Prozesse des menschlichen Körpers. Schichtarbeit beispielsweise führt zur Desynchronisation dieses Systems und hat negative gesundheitliche Konsequenzen. Als Folge bekannt sind Erkrankungen aus dem gesamten Spektrum der Medizin, insbesondere Tumorerkrankungen, Herz-Kreislauf-, gastrointestinale und psychische Erkrankungen.

Aufgaben des »Fachgebiets 02 Melanopische Lichtwirkungen«

Das Fachgebiet Melanopische Lichtwirkungen sieht seine Aufgabe darin, den Erkenntnisprozess zu begleiten, Anwendungsempfehlungen zu kommentieren und ergänzende eigene diesbezügliche Schriften zu verfassen.

Ziel einer modernen Lichtplanung muss es sein, melanopische Lichtwirkungen in die Planung einzubeziehen. Hierfür bedarf es Handlungsanweisungen, Richtlinien und Normen. Diese müssen evidenzbasiert sein, da es letztlich um die Beeinflussung der Gesundheit der Nutzer geht. Der Forschungsprozess ist im Fluss und wird auch über die nächsten Jahre weiter anhalten. Die Zusammenhänge zwischen Licht und Gesundheit sind weit komplizierter, als noch vor wenigen Jahren gedacht. Dies stellt den Lichtplaner vor eine besondere Verantwortung.

Es ist inzwischen gut bekannt, dass bereits kleinste Lichtmengen in der Nacht – unter 5 Lux – zu Veränderungen von Metabolismus, Hormonsekretion und neuronalen Strukturen führen. Auch haben die heute verwendeten Beleuchtungsszenarien, z. B. am Arbeitsplatz, Einfluss auf Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Gesundheit. Damit sind zum jetzigen Zeitpunkt bereits Handlungsempfehlungen notwendig – auch wenn klar ist, dass diese in Zukunft moduliert oder spezifiziert werden müssen.

Veröffentlichungen des Fachgebietes

LiTG-Schrift 32 »Über die nicht-visuelle Wirkung des Lichts auf den Menschen« 2015

Fachgebietssprecher des TWA
M. Sc. Johannes Zauner

Mitglied
Dipl.-Ing. Matthias Fassian
Dr. sc. Sylvia Hubalek